Community-Aufsichtsratmitglied Sebastian stellt die acht wichtigsten Fragen zum Börsengang

Von Sebastian Böttger

18. November 2021

Es ist vollbracht. Mit dem Börsengang hat Sono einen weiteren Meilenstein erreicht, um den Sion auf die Straße zu bringen. Diese Entwicklung ergab sich natürlich nicht über Nacht – monatelange Vorbereitungen gingen ihr voraus. Auf der Homepage der SEC, der amerikanischen Börsenaufsicht, kann man sehen, dass bereits vor mehreren Monaten die ersten Unterlagen erstellt wurden.

In den letzten Wochen hat Sono die großen Themen gelöst, die nötig waren, um jetzt auf dem Börsenparkett Erfolg haben zu können.

  1. Der Sion wurde technisch auf den neuesten Stand aktualisiert: Mit dem neuen 54-kWh-Akku, der erhöhten Ladeleistung und der vollflächigen Solar-Integration ist das Produkt absolut wettbewerbsfähig. 
  2. Die Gesamtplanung wurde aktualisiert und kontinuierlich mit allen Stakeholdern abgestimmt. 
  3. Der Preis wurde angepasst, um die Erreichung der Gewinnschwelle besser darstellen zu können. Besonders freut mich natürlich als Community-Beirat, dass der alte Preis für alle Bestandsreservierer:innen gehalten werden konnte. 

Mit dem Börsengang wurden die finanziellen Mittel beschafft, um die finale Entwicklungsphase des Sion einzuleiten. Das Projekt Sion steht damit aktuell besser da als jemals zuvor. Auch als Unternehmen schreitet Sono mit diesem Schritt in die nächste Phase der Unternehmensentwicklung voran. Hier gibt es viele neue und große Aufgaben sowie Risiken zu bewältigen:

  1. Mehrere Prototypen in einer Manufaktur bauen ist das eine – jetzt muss die Serienfertigung in Trollhättan vorbereitet werden. 
  2. 16 Vorserienfahrzeuge müssen bis Sommer 2022 in der Absicherung und Entwicklung beweisen, dass sauber vorgearbeitet wurde. 
  3. Als Unternehmen muss Sono neue Strukturen aufbauen und ein schnelles Wachstum bewältigen. Eine Vielzahl von neuen Mitarbeitern werden benötigt, um das Fahrzeug auf die Straße zu bringen und in Kundenhand zu übergeben.

Viele Automobil-Startups der letzten Jahre sind genau an diesen Schritten gescheitert. Manche wie Tesla, BYD und Weltmeister haben es geschafft. Sie liefern die Blaupause, wie diese Schritte erfolgreich gegangen werden können.

Viele von uns Reservierer:innen haben eine Menge Fragen. Seit Bekanntgabe des Börsengangs haben mich dazu viele Mails erreicht. Leider durfte ich als “Insider” keine Antworten geben. Dafür aber in diesem Blog umso mehr. Ich hatte die Gelegenheit, mit Torsten Kiedel – Chief Financial Officer (CFO) von Sono Motors – über den Börsengang zu sprechen. Die wichtigsten acht Fragen und Antworten habe ich in diesem Blogpost gesammelt. Viel Spaß beim Lesen! 

Sebastian: Hallo Torsten, schön, dass du dir die Zeit nimmst! Der Börsengang ist geschafft, Herzlichen Glückwunsch!

Torsten: Hallo Sebastian, danke dir! Ich freue mich sehr, dass wir die Möglichkeit haben, diese neue Entwicklung zu besprechen. 

Sebastian: Bevor wir mit den großen Fragen loslegen, erzähl mal, wie gehts dir nach diesem großem Schritt?   

Torsten: Mir geht es super, ich bin sehr glücklich, dass wir diesen Schritt gemeinsam gehen konnten. 

Sebastian: Das glaube ich dir. Vielleicht fangen wir mit der Basis an. Warum seid ihr an die Börse gegangen? Wie passt Nachhaltigkeit und das Ziel, weniger Autos auf den Straßen durch Sharing zu haben, zum stetigen Wachstum der Börse? 

Torsten und Sebastian Böttger sprechen zum IPO
Chief Finance Officer Torsten Kiedel im Gespräch.

Torsten: Im Kern hat das einen ganz zentralen Grund: Wir haben mit dem Börsengang 156 Millionen US-Dollar eingesammelt, um die nächste Phase unseres Wachstums zu beschleunigen. Der Börsengang ist ein wichtiger Meilenstein, den Sion auf die Straße zu bringen und somit den Weg für eine klimafreundliche Mobilität zu ebnen.

Sebastian: Warum habt ihr euch für die USA und für NASDAQ in New York entschieden? Wären europäische Börsen nicht naheliegender?

Torsten: Der Grund für die USA und für NASDAQ ist erstmal, dass der amerikanische Kapitalmarkt eine hohe Flexibilität gewährt. Amerikanische Investoren sind etwas offener gegenüber Unternehmen, die sich noch in der sogenannten Early Stage, also “pre-revenue” befinden. Zumindest im Bereich des Sions generieren wir noch keine Umsätze und da ist einfach mehr Risikofreude bei den US-Investoren da, also auch mehr Offenheit, Sono-Aktien zu kaufen oder in uns zu investieren. 

Sebastian: Sono Motors ist nun öffentlich gelistet. Besteht das Risiko, dass Sono übernommen wird? Vielleicht weil sich andere Firmen die Technologie und das Know-How kaufen wollen? 

Torsten: Um das zu beantworten, vielleicht ein paar grundlegende Worte zum Thema Börsengang. ​​Dabei werden ja zusätzliche Anteile ausgegeben, um so neues Geld einzusammeln. Es handelt sich also um eine Kapitalerhöhung und nicht um den Verkauf der Anteile der Gründer:innen oder anderer Gesellschafter:innen. Die Gründer:innen halten weiterhin die Mehrheit der Stimmrechte, wodurch eine  
Übernahme gegen den Willen der Gründer:innen aktuell ausgeschlossen ist.

Sebastian: Okay, das wird viele beruhigen. Wie du weißt, vertrete ich die Community innerhalb des Unternehmens. Als Sono Ende 2019 kurz davor war, bankrott zu gehen, erhöhten zahlreiche Unterstützer:innen ihre Anzahlungen oder reservierten neue Fahrzeuge. Dafür vergabt ihr die sogenannten Sono Punkte, also die Möglichkeit, an den zukünftigen finanziellen Gewinnen der Gründer:innen teilzuhaben. Je mehr Sono Punkte man besitzt, desto größer ist der Anteil am Gesamtpool und damit eine potenzielle Auszahlung. Was passiert jetzt nach dem Börsengang mit diesen Punkten? 

Im Anschluss an die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne 2019, tourte das Team durch Deutschland und erklärte die nächsten Schritte.
Im Anschluss an die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne 2019, tourte das Team durch Deutschland und erklärte die nächsten Schritte.

Torsten: Die Sono Punkte sind ein Versprechen der Gründer:innen Laurin, Jona und Navina an die Reservierer:innen und die Community. Das hat erstmal nichts direkt mit dem Unternehmen zu tun, sondern bezieht sich auf die Anteile, die die drei halten. Dadurch, dass wir Sono Motors jetzt an die Börse gebracht haben, ändert sich daran auch erstmal nichts, denn es hat keine direkten Auswirkungen auf die Punkte. Die Gewinnbezugsrechte, die die Gründer:innen für die Sono Punkte vorgesehen haben, blieben weiterhin dafür reserviert.

Da wir nach dem erfolgreichen Börsengang nun öffentlich am NASDAQ gelistet sind, ist es für die Gründer:innen leichter möglich, eine bestimmte Anzahl von Anteilen zu verkaufen. Der Gewinn daraus kann dann auch anteilig – und nach Abzug von Steuern und Kosten – an Reservierer:innen mit bestehenden Punkten ausgezahlt werden. 

Sebastian: Alles klar! Und wie sieht es mit den Seedrs-Anteilen aus? Ich habe selber Anteile, sowie rund 4.500 andere Menschen auch. Bekomme ich nun Anteile in mein Depot? 

Torsten: Diese Anteile werden weiterhin von Seedrs verwaltet. Prinzipiell können solche Anteile in Aktien umgewandelt werden. Für weitere Details musst du dich an das Team von Seedrs wenden. 

Sebastian: Viele Mitglieder der Community sind schon sehr lange mit dabei. Durch den Börsengang ändert sich einiges. Es werden auch Menschen auf Sono aufmerksam, die weniger an Nachhaltigkeit und mehr an erfolgreiche Aktienkurse denken. Damit umzugehen, könnte für viele in der Community schwierig sein. Ich denke auch, dass es ab dem Börsengang auch wichtig wird, ob der Kurs steigt oder fällt – und damit möchten Menschen Geld verdienen. Wird das einen Einfluss auf euer Tagesgeschäft haben? 

Torsten: Nein, denn wir sind an der Börse, um den Sion auf die Straße zu bringen. Ob ein zukünftiger Aktienkurs steigt oder fällt, beobachten wir – ich als CFO – natürlich besonders. Direkte Auswirkungen auf das operative Tagesgeschäft der Entwicklungsteams hat es jedoch nicht. Und außerdem sehen wir unser Projekt langfristig – kurzfristige Kursschwankungen sind normal und werden wir auch nicht überbetonen.

Der Börsengang ist der nächste Schritt auf dem Weg in die Serienproduktion.
Der Börsengang ist der nächste Schritt auf dem Weg in die Serienproduktion.

Sebastian: Stichwort Produktion und NEVS. Die Börsengang-Anmeldung, das “Filing”, listet auf mehreren Seiten Risiken auf und welche Verträge noch geschlossen werden müssen. Bei vielen kam gut an, dass ihr trotz Unruhen immer zu NEVS als Fertiger gestanden seid. Möchtest Du dazu was sagen?

Torsten: Wir haben mit NEVS einen Produktionspartner gefunden, der unsere Vision einer zukunftsweisenden und klimafreundlichen Mobilität teilt. Die Produktionsbedingungen im ehemaligen Werk der Kultmarke SAAB sind für uns optimal: die entsprechenden Produktionskapazitäten, ein erfahrenes Team und die Produktion unter Verwendung von Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energien.

NEVS ist seit 2019 unser Produktionspartner und wir stehen seitdem im engen Austausch, so auch aktuell. Die Produktion des Sion ist von der Restrukturierung bei NEVS zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht betroffen und die Vorbereitungen der Produktionsanlagen für die Vorserienproduktion 2022 und die Serienproduktion im ersten Halbjahr 2023 laufen bereits. NEVS hat sich bereits den aktuellen Entwicklungen angepasst und bei der Anpassung des Personalstands waren die für Sono Motors notwendigen Kapazitäten bisher nicht betroffen.  

Sebastian: Abschlussfrage. Ein Börsengang in den USA – müssen wir uns jetzt vorstellen, dass Laurin und Jona bald mit der Stretchlimousine auf der 5th Avenue herumcruisen? Was ist aus unserem kleinen Münchner Startup geworden? 

Torsten: Auch wenn das durchaus eine amüsante Vorstellung ist, denke ich nicht, dass wir uns da Sorgen machen müssen. Du kennst die drei Gründer:innen ja auch schon ein paar Jahre und kannst das dementsprechend gut einschätzen. Das sind Werte, die überhaupt nicht zu ihnen passen und das ist auch nicht das, für was sie damals angetreten sind. Wir haben außerdem immer noch einen langen Weg vor uns. Da bleibt für Limousinen-Ausflüge gar keine Zeit. Wir bleiben hier in München und arbeiten weiter daran, den Sion auf die Straße und Sono Motors weiter voranzubringen. Das machen wir so seit über fünf Jahren und das werden wir auch weiterhin tun. 

Sebastian: Da mache ich mir tatsächlich auch keine Sorgen. Vielen Reservierer:innen geht es nicht nur um das Auto, sondern auch um die Idee dahinter, und den Wunsch, etwas zu verändern. Der IPO war jetzt ein großer und wichtiger Schritt zum Ziel, deswegen an dieser Stelle noch einmal - im Namen aller Reservierer:innen - Glückwunsch und vielen Dank Torsten! Weiterhin alles Gute! 

Torsten: Danke dir Sebastian und danke an die Community für die starke Unterstützung. Wir bleiben natürlich weiterhin in Kontakt.  

Lese hier die offizielle Pressemitteilung

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